Alkohol und psychische Krankheiten

Alkoholgenuss ist bei Wohnungslosen auch eine Bewältigungsstrategie. Das Trinken ist zu verstehen, als symbolischer Ausdruck sozialer Verbundenheit und einer Solidargemeinschaft in Notlagen, deren Trinkregeln zur Bewältigung ihrer Alltagssituationen sinnvoll erscheint. Die Betroffenen bewegen sich in einem tragischen Kreislauf des Mittels Alkohol zur Aufnahme von Beziehungen und dem Ertragen von Elend und den negativen sozialen und individuellen Folgen des Alkoholkonsums/-missbrauchs.
Die Einsicht ich ihre Alkoholgefährdung ist für die besonders schwierig, die gezwungen sind in einem Milieu zu leben, das den Missbrauch von Alkohol unterstützt; in dem der Alkohol zur Pflege der Beziehungen (fast) unerlässlich ist. Führt man sich diese Funktion vor Augen, so ist bei Wohnungslosen der Alkohol nicht dysfunktional. Er ist vielmehr funktional hinsichtlich der Lebenssituation und das Trinken führt nicht zum Konflikt mit der direkten Lebensumwelt, sondern fördert die Integration.
Der Alkohol hat bei Wohnungslosen auch die Funktion einer Selbstmedikation.
Ein Großteil dieser Menschen hat Phasen im Leben durchlebt, in denen sie äußerst irritierbar und voller Angst gewesen sind.

Sie haben den Alkohol als eine Art Selbstmedikation gewählt. Unter Alkoholeinfluss sind sie ruhig, fast gelöst und entspannt, jedoch irritierbar, schreckhaft, hoch verängstigt, wenn der Alkohol fehlt. Das sind Symptome, die über reine Entzugserscheinungen weit hinausgehen. Gerade diese Komorbidität betrifft einen wesentlichen Teil der Wohnungslosen.

Deren besondere Lebenssituation ist gekennzeichnet von:

  • Wohnungs-, Arbeitslosigkeit;
  • sie haben keinen festen Partner;
  • sie sind weit gehend sozial isoliert;
  • kommen aus instabilen Familien und unteren sozialen Schichten;
  • erfahren so gut wie keine soziale Unterstützung;
  • haben mehr Suchtsymptome als andere;
  • haben mehr Folge- und Nebenerkrankungen;
  • haben mehr psychische Defizite;
  • haben weniger lange Abstinenzperioden;
  • verfügen über reichlich negative Institutionserfahrungen,
  • scheuen den Kontakt zur ambulanten Suchtberatung.

Insgesamt lässt sich bei Wohnungslosen eine Suchtproblematik, insbesondere Alkoholmissbrauch nicht von ihrer Gesamtproblematik lösen. Der Versuch allein nur an der Sucht zu arbeiten, ohne damit zusammenhängende Faktoren zu behandeln, ist zumeist zum Scheitern verurteilt.